Künstliche Intelligenz soll Terrororganisationen ermitteln können



In einem europäischen Projekt spannen Forschende und Ermittlungsbehörden wie Interpol zusammen: Ziel ist ein Computerprogramm, das helfen soll, kriminelle Netzwerke aufzudecken.


Kriminelle Netzwerke und Terrororganisationen werden immer geschickter darin, ihre Mitglieder und Pläne geheim zu halten. Dank Erfahrung und Intuition können Ermittler dennoch aus einer Vielzahl verschiedener Daten Verbindungen zwischen Personen knüpfen und so beispielsweise Pläne für Anschläge aufdecken.


Die Datenmengen wachsen jedoch fortlaufend.


Bei der Analyse sollen künftig lernende Algorithmen helfen. Das internationale Forschungsprojekt «Roxanne» (Real Time Network, Text, and Speaker Analytics for Combating Organized Crime), das vom Forschungszentrum Idiap in Martigny VS koordiniert wird, bringt dafür Forschende, Unternehmen und zehn Ermittlungsbehörden zusammen. Kürzlich starteten die Projektpartner die Zusammenarbeit im EU-finanzierten Projekt offiziell.


Muster schneller erkennen


Bis 2022 soll ein Tool entstehen, das Spracherkennung, automatische Bildanalyse und Netzwerkanalyse kombiniert, um in grossen Datenmengen relevante Muster und Verbindungen aufzuzeigen, Kriminelle zu verfolgen und zu identifizieren. Eine solch umfassende Analyse könnte beispielsweise präzisere Informationen zu verdächtigen Personen sammeln, beispielsweise zu Herkunft, Alter und Geschlecht.


Eine grosse Herausforderung sei beispielsweise, dass das Programm die verschiedensten Formate, in denen Hinweise von verschiedenen Behörden und Ermittlern gesammelt werden, "lesen" und verstehen können muss, wie das Idiap auf seiner Website schreibt.


Eine weitere Hürde besteht darin, wie das neue Programm getestet werden soll: Da es sich um sensitive und teils geheime Informationen handelt, müssen die Forschenden rechtliche Fragen berücksichtigen. Hierin besteht auch der Beitrag seitens Interpol, wie die internationale Behörde zum Projekt schreibt: Sicherzustellen, dass die entwickelten Tools den rechtlichen Vorschriften und den Regeln der Behörde zur Prozessierung von Daten entsprechen.


Test mit fiktiven oder alten Fällen


Dies macht auch das Testen von Prototypen des Programms schwierig. Die Forschenden können einerseits mit fiktiven oder älteren, ungeklärten Fällen arbeiten. Alternativ wäre es möglich, eine Testversion den Ermittlungsbehörden zur Überprüfung zu übergeben, wie das Idiap schreibt. Bewährt sich das geplante Tool, könnte es bei Ermittlungen viel Zeit und Kosten ersparen.


Bisher ist nur geplant, das Programm für die Analysephase einzusetzen, schrieb das Idiap. Entscheidungen über die Bewertung und Weiterverwendung von Hinweisen, sowie die zu ergreifenden Schritte sollen beim Menschen verbleiben. Resultate des Programms als Beweismittel vor Gericht einzusetzen, sei nicht vorgesehen.


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