Brexit-Tauziehen geht weiter - Folgen für die Schweiz überschaubar


Das Gerangel um den Ausstieg Grossbritanniens aus der EU findet kein Ende. Nachdem der britische Premier Boris Johnson am Samstag zunächst mit seinem Vorschlag im Unterhaus gescheitert war, hat er nun bei der EU eine Fristverlängerung beantragt.

Brexit - (awp sda)


Die erhoffte Vorwärtsbewegung in dem vertrackten Prozess bleibt damit ein weiteres Mal aus. Das betrifft auch die Schweiz. Denn wie es der Ökonom Gianluigi Mandruzzato vom Vermögensverwalter EFG Asset Management zusammenfasste, geht von den Verhandlungen zwischen der EU und Grossbritannien eine Signalwirkung für die Verhandlungen der Schweiz mit der Staatengemeinschaft aus.


Derweil betonte Martin Weder von der Zürcher Kantonalbank, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen auf den ersten Blick nicht so klar abzuschätzen seien. "Vieles hängt von der konkreten Ausgestaltung des Deals ab", erklärte der Ökonom. Dabei stünden etwa Fragen zu den vier Grundfreiheiten der EU, freier Waren- Personen-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr, im Raum und wie stark sie möglicherweise eingeschränkt würden.


Wichtig mit Blick auf die Schweiz sei aber auch die Frage, ob Grossbritannien umgehend mit Drittländern Freihandelsabkommen abschliessen darf, so Weder weiter. Immerhin sei das Vereinigte Königreich für die Schweiz ein wichtiger Wirtschaftspartner, war es doch 2018 der sechstwichtigste Absatzmarkt für Schweizer Warenexporte. "Vor diesem Hintergrund ist es ein Vorteil, dass die Schweiz mit dem am 11. Februar 2019 unterzeichneten Handelsabkommen auf die verschiedenen möglichen Brexit-Szenarien vorausschauend agiert hat."



Wichtige Weichen später am Tag


Zum aktuellen Zeitpunkt ist der weitere Verlauf allerdings völlig unklar. Denn schon am heutigen Montag könnte das britische Parlament erneut über das zwischen Premierminister Johnson und der EU ausgehandelte Brexit-Abkommen abstimmen. Die Entscheidung darüber will Parlamentspräsident John Bercow am späten Nachmittag im Unterhaus in London bekanntgeben. Gibt er den Weg dafür frei, könnten die Abgeordneten noch am selben Tag abstimmen.


Auch mit Änderungsanträgen von Parlamentariern wird wieder gerechnet. Das Problem für Johnson: Ihm läuft die Zeit davon. Er hatte seinerzeit versprochen, Grossbritannien am 31. Oktober aus der EU zu führen, also in anderthalb Wochen. Wie es in solchen Zeiten oft der Fall ist, schiessen Spekulationen schnell ins Kraut. So ist am Markt von Spekulationen die Rede, wonach die britische Regierung mittlerweile über eine Mehrheit verfüge, damit die Brexit-Vereinbarung durch das Parlament bald verabschiedet werden könne. Derweil war vom Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Nicola Beer, zuletzt zu hören, er halte eine weitere Verzögerung des Brexit für wahrscheinlich.



Unsicherheit hält Volatilität hoch


Vor diesem Hintergrund sind sich die Ökonomen einig, dass die Unsicherheit hoch bleibe. Mit einer anhaltend ausgeprägten Volatilität an den Finanzmärkten müsse gerechnet werden, meinte etwa der Ökonom Weder von der ZKB. Caroline Hilb von der St. Galler Kantonalbank rechnet damit, dass die britische Wirtschaft klar unter Druck geraten werde, wenn es nicht zu einer Einigung kommt. Sollte es dagegen zu einer Einigung kommen, dürfte das Pfund anziehen und auch der britische Aktienmarkt sollte dann von den besseren Zukunftsaussichten profitieren. Im Gegenzug wäre in einem solchen Fall kein sicherer Hafen wie der Schweizer Franken nötig, ergänzte der Pictet-Chefstratege Anastassios Frangulidis. Entsprechend würde der Franken an Wert einbüssen.


#inta #brex

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